Cookie-Einstellungen

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite und für die Steuerung unserer kommerziellen Unternehmensziele notwendig sind, sowie solche, die lediglich zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte genutzt werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

Cookie-Einstellungen

Christliches Leben

„Wes Geistes Kind seid ihr?“ - christliches Leben als Gabe und Aufgabe

Einige Gedanken (nicht nur) zum 6. Oster-Sonntag

„Wes Geistes Kind“ wir sind, verrät häufig unser Leben. Worauf wir hoffen, erzählt unser Verhalten oft mehr als es unsere Worte zu tun vermögen. Über unsere Interessen gibt unsere Lebens-Praxis Auskunft. Natürlich können wir uns auch verstellen. Bis es zum Ernstfall kommt. Dann verrät man sich meist.

Beispiel: Wenn wir uns für jemand interessieren, widmen wir ihm gerne, ja viel Zeit, gehen wir auf ihn ein, sprechen wir häufig und positiv mit und von ihm. Unser Interesse prägt also unser Verhalten. Und die anderen können häufig an unserem Verhalten wie in einem offenen Buch lesen, wie es in unserem Innersten aussieht.

Oder: Wenn wir einen sicheren und einigermaßen gefestigten Standpunkt haben, dann können wir es uns leisten, aus dem Geist der Toleranz zu leben, den anderen anzuhören und ihn zu verstehen suchen. Dann sind wir fähig, taktvoll, und ohne zu verletzen, unsere Meinung ins Spiel zu bringen. Wir vertrauen ja uns selbst und der Kraft unserer Argumente.

Sind wir jedoch unsicher, dann vermeiden wir peinlichst strittige Themen, oder werden schnell laut, grundsätzlich und aggressiv. Weil wir wissen oder ahnen, dass unsere Argumente schwach sind. Unsere nach außen gezeigte Stärke entlarvt unsere innere Schwäche. So klaffen Theorie und Praxis, Denken und Tun, Glauben und Leben oft auseinander.

Beispiel: Zwei Menschen lieben einander – und verletzen doch einander immer wieder. Eltern und Kinder mögen sich – und verstehen doch einander häufig nicht. Menschen interessieren sich – und nehmen sich doch oft zu wenig Zeit dafür, „haben leider keine Zeit“.

„Wes Geistes Kind seid ihr?“ Diese Frage ist manchmal schwer zu beantworten, wenn wir unsere eigenen, tiefsten Überzeugungen nicht durchhalten, wenn wir hin- und her-gerissen sind zwischen Erkennen, Wollen und Vollbringen.

Von dieser Erfahrung geht auch unser Evangelien-Abschnitt aus: Einerseits wird ein Mensch, der an Jesus Christus glaubt, sich an ihm auch in seinem Alltag orientieren.

Andererseits wissen wir von uns selbst und nicht nur von anderen: Wir können an diesen Jesus Christus glauben, und ihn dennoch durch unsere Lebensführung verraten. Wir können ihn lieben, und dennoch seiner Botschaft Schande machen. Wir können unsere Hoffnung auf ihn setzen, und uns trotzdem in unserer Lebens-Praxis von anderem und anderen bestimmen lassen.

Ob Jesus aus dieser Menschenkenntnis heraus spricht: „Der Vater wird euch einen anderen Beistand geben, damit er immer bei euch bleibt ...“ Galt das nur für damals, nur für die Apostel? Oder nur für die Kirche als Ganze? Oder nur für Papst und Bischöfe? Die fünf sogenannten „Geist-Sprüche“ bei Johannes – einer davon ist unser heutiges Evangelium – sagen: Wir alle sind gemeint!

Uns allen erschließt der Geist das tiefere Verständnis für Jesus und seine Sache. Er bildet und entfaltet in uns allen den Glauben, der nicht allein vom Verstand, sondern auch vom Herzen getragen wird. Er arbeitet in uns darauf hin, dass unser Handeln und Leben vom Glauben geprägt wird. All das aber nicht automatisch, ohne dass wir etwas dazu tun müssten und könnten, ja, ohne dass wir uns dagegen wehren könnten, ohne dass es noch einer Reifung bedürfe. Ein Geschenk muss angenommen werden, um seine Aufgabe zu erfüllen.

Ähnlich ist es mit den Geistes-Gaben: Sie sind in uns. Sie sind in uns angelegt. Jesus hat mit ihnen bereits auf uns eingewirkt. So manche unserer Worte und Taten mögen schon durch ihn inspiriert sein, ohne dass wir es groß wissen.

Aber es bedarf nun des bewussten Lebens mit und nach Jesu Wort. Seine Gabe kann – und muss - uns zur Aufgabe werden. Seine Verheißung ist zugleich Verpflichtung.

„Wes Geistes Kind“ wir sind, verrät häufig unser Leben. Unser Verhalten mehr als unsere Worte. Besonders, wenn es zum Ernstfall kommt.

Beispiel: Widmen wir ihm gerne Zeit? Oder ist uns schon die eine Stunde am Sonntag zu viel?

Wenn ich mich für jemand interessiere, widme ich ihm gerne, ja viel Zeit. Wenn ich einen sicheren und einigermaßen gefestigten Stand-Punkt habe, dann kann ich es mir leisten, aus dem Geist der Toleranz zu leben. Wenn ich merke, dass ich mir etwas mehr einrede als dass ich es einsehe, dann höre und schaue ich mich erst recht um. Auf die Chance hin, dass ich mich eines Besseren belehren lassen muss.

Vielleicht ist gerade das Gottes Art und Weise, seinen Geist in mir wirken zu lassen? Sodass ich zwar auch dann noch Fehler mache, meinen Glauben und meine Überzeugung aber nicht verrate. Sodass ich - bei all meiner bleibenden Gebrochenheit – mit mir selbst übereinstimme.

„Wes Geistes Kind seid ihr?“ Die Anderen können häufig an unserem Verhalten wie in einem offenen Buch lesen, wie es in unserem Innersten aussieht.

In unserem eigenen Interesse sollten wir Christen nicht schizophren sein.

Pfr. Udo Zettelmaier, St. Theresia, Erlangen

(Apg 8, 14-17 und Joh 14, 15-21).
(mit dankbarer Übernahme einiger Gedanken von Fr.-J. Janicki)