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Zur Pfingstzeit (2012)

Liebe Christinnen und Christen

wenngleich viele Erlanger/innen Pfingsten schlicht und ergreifend mit dem gesellschaftlichen Großereignis, der Bergkirchweih, in Verbindung bringen, so feiern wir Christen an Pfingsten zugleich und zuallererst das Fest des Heiligen Geistes.

Wir erinnern uns an das Wirken des Geistes Gottes, der die Jünger, die Freunde und Freundinnen von Jesus, vor 2000 Jahren ermutigt hat, nach dem Tode Jesu nicht aufzugeben, sondern an die frohe Botschaft Jesu zu glauben und sie weiter zu tragen; weiter zu tragen zu den Menschen in ihrer Umgebung und bald auch darüber hinaus. Somit feiern wir an Pfingsten auch den Anfang, den Geburtstag der Kirche.

Und wie der Geist Gottes damals wirkte, so wirkt er auch heute, und so wirkte er – ich möchte fast sagen: in besonderer Weise – auch vor 50 Jahren, als Papst Johannes XXIII das II. Vatikanische Konzil einberief.

Als jener Papst damals völlig überraschend für die Kardinäle und Kurienbeamten seinen Plan bekannt gab, ein Konzil einzuberufen, wurde er von ihnen bedrängt und nach dem Grund für dieses waghalsige Unternehmen befragt. Wortlos – so wird berichtet – ging er ans Fenster seines Arbeitszimmers, öffnete es, ließ frische Luft herein und sagte nur ein einziges Wort: „Ecco!“ – Deswegen!

„Frische Luft“ oder noch besser „ein frischer Wind“ sollte durch das geöffnete Fenster einziehen und zwar nicht nur in den päpstlichen Palast, sondern in die ganze Kirche.

Lassen wir diese frische Luft, die belebt, erfrischt und ermutigt, die neuen Sauerstoff in unser Leben als Mensch und als Christ bringt, auch heute – in einer Zeit, wo manche anscheinend die Fenster wieder eher schließen möchten – in unsere Kirche, in unsere Pfarrgemeinden hinein!

Im Johannes-Evangelium können wir lesen, wie Jesus einst zu Nikodemus sagte: Wundere dich deshalb nicht, wenn ich dir gesagt habe: Ihr müsst neu geboren werden. Es ist damit wie beim Wind. Er weht, wie er will. Du spürst ihn auch, aber du kannst nicht erklären, woher er kommt und wohin er geht. So kann man auch nicht erklären, wie diese Geburt aus Gottes Geist vor sich geht, obwohl jeder ihre Auswirkung spürt. (nach Joh 3,7ff)

Angesichts des Pfingstfestes und der Zeit danach wünsche ich Ihnen ein erfrischendes, ein hoffnungsvolles, ein beglückendes Leben aus dem Geist Gottes, ein Leben nach und mit der froh machenden Botschaft Jesu, ein Leben, in dem auch Veränderungen und Wandlungsprozesse ihren Platz haben, eine Lebenshaltung und –einstellung, die nicht von Angst und Unsicherheit und vom bloßen Festhalten am Bisherigen geprägt ist, sondern von Hoffnung und Zuversicht, von Offenheit und Aufgeschlossenheit, von der Bereitschaft und dem Mut, - wo es sinnvoll, ja not-wendig ist – auch neue Wege zu gehen!

Dies wünsche ich Ihnen persönlich und dies wünsche ich unseren Kirchengemeinden und Seelsorgebereichen, und ebenso sehr wünsche ich dies unserer Kirche als ganzes!

„Einen neuen Aufbruch wagen“ mit diesem Leitwort lud der diesjährige Katholikentag tausende von Menschen ein, „einen neuen Aufbruch wagen“ dazu lädt uns und alle, die zur Kirche, zur Gemeinschaft aller Christen gehören, immer wieder neu das Pfingstfest, das Fest des Heiligen Geistes, ein …

Eine gesegnete Pfingstzeit

u. a. auch mit hoffentlich schönen Erlebnissen „am Berg“
und Gottes Geist auf Ihrem Wege

wünscht Ihnen von Herzen

Leo Klinger
(Pastoralreferent im Seelsorgebereich Erlangen-Süd)